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15. Juni 2022 | Erfahrungsaustauschprozess

Von Beispielen lernen – kurzer Rückblick auf die zweite Veranstaltung des Erfa Zukunft Bestand vom 11.05.2021

Von Beispielen lernen – am 11.05.2022 nahmen rund 20 Teilnehmende an der zweiten Veranstaltung des Erfa Zukunft Bestand in Zürich-Oerlikon teil. Der Erfahrungsaustauschprozess lotet die Potentiale und Heraus­forderungen im Umgang mit dem «Bestand» aus, also mit den bestehenden Gebäuden, Freiräumen und der Bewohnerschaft.

Im ersten Teil der Veranstaltung wurden drei Beispiele zum Umgang mit Bestand vorgestellt und besichtigt: Das Octavo II (Fischer Architekten) zeigte den Umbau und die Umnutzung eines Büro- in ein Wohngebäude. Beim zweiten Beispiel handelte es sich um die Sanierung und Aufstockung eines Gebäuderiegels (Siedlung Weisshau) der Bau­genossenschaft Röntgenhof. Timur Ocak (Leiter Bau) gab Einblicke in den zeit- und ressourcenintensiven Bauprozess. Der Prozess hat sich gelohnt, weil zusätzlicher Wohnraum entstand, die Wohnungen saniert werden konnten und die Mieten nur geringfügig gestiegen sind. Philipp Esch (Esch Sintzel Architekten) stellte das Ersatzneubauprojekt der GISA-Genossenschaftssiedlung Affoltern vor. Er zeigte auf, wie es gelingt, die Dichte gegenüber der heutigen Siedlung aus den 1940er-Jahren fast zu verdreifachen (von 0.4 auf 1.15) und durch eine bestandsorientierte Setzung der Bauten die grossvolumigen, identitätsstiftenden Bäume und damit auch ihre mikroklimatische und atmosphärische Wirkung zu erhalten sowie den komplizierten Lärmschutzbestimmungen zu genügen. Ausgehend von diesen drei Beispielen identifizierten die Teil­nehmenden die Hürden und Chancen, die bei den drei damit verbundenen Themen­bereichen Umbau und Umnutzung, Sanierung und Aufstockung sowie Ersatzneubau bestehen.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde die Diskussion um die Aspekte des Teilersatzes und der Bestands­erneuerung aus Portfolio-Perspektive ergänzt: Roman Züst (Züst Gübeli Gambetti) stellte eine bereits realisierte Erneuerung einer 1980er-Jahre-Siedlung in Embrach vor, bei der nur zwei von neun Gebäuden durch zwei neue Atriumblöcke ersetzt wurden. Die restlichen sieben Zeilen der Siedlung wurden durch gezielte gestalterische Eingriffe saniert und aufgewertet. Trotzdem konnte in dieser Nachverdichtung die Wohnungsanzahl von 54 auf 89 Wohnungen erhöht werden. Zudem wurde der Freiraum vom Abstandsgrün zum Gemeinschaftshof umgedeutet, der neue Aufenthalts- und Begegnungsmöglichkeiten sowie Gemeinschaftsgärten beinhaltet. Ana Alberati (Pensimo Management) komplettierte schliesslich die Expert*innenrunde und stellte die «Handlungs­empfehlungen für institutionelle Investoren zur Weiterführung von Wohngebäuden der 1960er bis 1980er Jahre» vor, welche sie im Rahmen ihrer Masterarbeit am CUREM erarbeitet hatte.

Die Erkenntnisse der zweiten Veranstaltung werden zuhanden des weiteren Erfa-Prozesses aufbereitet. Die präsentierten Folien stehen den RZU-Mitgliedern im passwortgeschützten Bereich zur Verfügung.