Zukunftsfähige Entwicklung des RZU-Gebiets

Klimaangepasste Innenentwicklung

Die Anpassung an den Klimawandel ist eine der wesentlichen Herausforderungen für die Zukunft des Zürcher Grossraums. Die Folgen des Klimawandels sind bereits spürbar: Die Hitzesommer von 2003, 2015 und 2018 oder das Hochwasser von 2005 sind Vorboten der zukünftigen Folgen, mit denen sich die Planung auseinandersetzen muss: Gemäss den Klimaszenarien 2018 des NCCS ist in der Schweiz bis Mitte dieses Jahrhunderts eine zusätzliche Erwärmung zwischen 0,5 bis 2,5 Grad Celsius zu erwarten. Auch Starknieder­schlags- und Hochwasser­ereignisse und Dürreperioden werden sich häufen. Urban geprägte Räume wie das RZU-Gebiet werden besonders vom Klimawandel und den damit zusammenhängenden Folgen betroffen sein.

  • Die dichte Siedlungsstruktur, die vielen versiegelten Flächen und die vergleichsweise wenigen Grünflächen lassen die Temperaturen in städtischen Räumen insbesondere nachts höher steigen lässt als im Umland. Höhere Temperaturen vermindern die Lebensqualität der Wohnbevölkerung.
  • Die steigenden Temperaturen werden auch negative Effektive auf die Arbeitsproduktivität in den zentralen Wirtschaftsräumen der Schweiz haben.
  • Das Schadenspotenzial durch Hochwasser, Starkniederschläge oder andere Wetterereignisse ist in urbanen Räumen sehr gross, unter anderem angesichts der Konzentration von kritischen Infrastrukturen etwa im Verkehrs- und Kommunikationsbereich.
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Foto: © Stadt Zürich

Parthenocissus quinquefolia

Foto: © Swiatkwiatow

Im «Netzwerk Klimaanpassung und Innenentwicklung» hat sich die RZU zusammen mit Fachpersonen aus dem Mitgliederkreis intensiv mit der Umsetzung der Klimaanpassung im urban geprägten RZU-Gebiet auseinandergesetzt. Eine zentrale Erkenntnis ist: Die Klima­anpassung sollte zusammen mit der laufenden Innenentwicklung gedacht und behandelt werden. Kernbot­schaf­ten zur «klimaangepassten Innenentwicklung» sind:

Besonders in urban geprägten Räumen ist die Klimaanpassung anforderungsreich, weil sie bei allen planerischen Aufgabenstellungen mitgedacht werden sollte. Sie bietet aber auch Chancen. Denn dank der Klimaanpassung können Vorhaben etwa in den Bereichen Frei- und Grünräume, Gewässer, Begrünung von Gebäuden oder Wassermanagement zusätzlich begründet und gegebenenfalls auch mitfinanziert werden.

Dank Klimaanpassungsmassnahmen können mittel- bis langfristig die Kosten reduziert werden, die wegen des Klimawandels entstehen werden (z.B. Gesundheitskosten, Sachschäden). Wenn die Städte und Gemeinden solche Massnahmen bei allen laufenden und geplanten Vorhaben (z.B. Dorfplatzerneuerung, Ersatzneubau, Strassenerneuerungen) frühzeitig mitdenken, können sie diese als «Sowieso-Massnahmen» effizient und kostengünstig umsetzen. Dazu braucht es aber bei allen Beteiligten ein Bewusstsein für die Problematik, unter anderem bei Gemeinde­mitarbeitenden in unterschiedlichen Ressorts, bei Grundeigentümer*innen und bei Fachplanenden.

Städte und Gemeinden können bereits viel erreichen, indem sie im Siedlungsgebiet grosse und alte Bäume schützen und neue Bäume, die auf das zukünftige Klima angpeasst sind, pflanzen. Denn Stadtbäume haben eine grosse klimatische Wirkung: Sie kühlen das Stadtklima durch Beschattung und Verdunstung, sie nehmen Niederschlagswasser auf, können Starkwinde abschwächen ohne die Durchlüftung zu blockieren. Wichtig ist aber auch das Wasser: zur Bewässerung bei langanhaltender Trockenheit, aber auch als kühlendes Element im Siedlungsgebiet.

Die Beispiele in der Datenbank zeigen auf: Städte und Gemeinden haben bereits heute ein breites Spektrum an Handlungsmöglichkeiten, um die klimaangepasste Innenentwicklung umzusetzen und in ihren Instrumenten wie etwa dem kommunalen Richtplan oder der BZO aufzunehmen. Wo Defizite bestehen, können Gemeinden Gesetzes- oder Verordnungsänderungen auf kommunaler Ebene angehen und sich dafür auf kantonaler und nationaler Ebene einsetzen.

Die Sensibilisierung und die Förderung des Engagements von Gemeindemitarbeitenden, Grundeigentümer*innen, Fachplanenden und von Akteuren aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft ist wichtig, um die klimaangepasste Innenentwicklung umsetzen zu können. Dazu gibt es verschiedene fachgruppenspezifische Sensibilisierungs- und Aktivierungsmassnahmen: von Schulungen für Gemeindemitarbeitende über die Vergabe von Labels und die Ausrichtung von Wettbewerben bis zu Stadtrundgängen für Investor*innen. Weiterlesen

Wesentliche thematische Ansatzpunkte zur Umsetzung einer klimaangepassten Innenentwicklung sind:

Im Hinblick auf die klimaangepasste Innenentwicklung sind besonders ältere Bäume wirksam: sie kühlen die Umgebung, nehmen Starkniederschläge auf und spenden Schatten. Der Erhalt oder die Neupflanzung von «Stadtbäumen» gehören deshalb zu den wirksamsten, kostengünstigsten und auch populärsten Massnahmen im Bereich der Klimaanpassung. Weiterlesen

Begrünte und durchlässige Oberflächen erhitzen sich weniger stark, unterstützen den Luft- und Feuchtigkeitsaustausch und nehmen mehr Wasser auf als etwa Asphalt oder Beton. Solche Massnahmen der öffentlichen Hand können auch als Vorbild und Inspirationsquelle für Privateigentümer*innen dienen. Weiterlesen

Gewässer und Gewässerräume können zur Kühlung und Durchlüftung des Siedlungsraums und zur Gefahrenabwehr bei Starkniederschlag und Hochwasser beitragen und damit einen wesentlichen Beitrag zur klimaangepassten Innenentwicklung leisten. Weiterlesen

Grünflächen, begrünte Dächer, Kavernen oder Pflanzmulden von Bäumen können Niederschlagswasser zurückhalten und positive Auswirkungen auf die Freiraumqualität haben. Das zurückgehaltene Wasser kann zudem für die Bewässerung von grüner Infrastruktur während Trockenzeiten genutzt werden. Weiterlesen

Wasseranlagen wie etwa Brunnen, Teiche oder Wasserspiele können das Stadtklima lokal positiv beeinflussen, neben Grünflächen und Gewässern. Bei genügender Dimensionierung können Wasseranlagen die Luftzirkulation anregen. Zudem ermöglichen sie Abkühlung an heissen Tagen und erhöhen den Erholungswert von öffentlichen Anlagen. In jüngster Zeit werden Wasseranlagen wieder vermehrt als städtebaulich prägende Elemente eingesetzt. Weiterlesen

In dicht besiedelten Gebieten ist der Luftaustausch mit Kaltluftgebieten von zentraler Bedeutung. Als Kaltluftentstehungsgebiete gelten Wälder, Wiesen, landwirtschaftliche Flächen, Gewässerräume oder auch grosse zusammenhängende Grünflächen, welche sich innerhalb des Siedlungsgebiets und am Siedlungsrand befinden. Frischluftkorridore wie breite Strassenzüge, Bahntrassen oder auch Gewässer sorgen dafür, dass die kalte Luft in die aufgeheizten Siedlungsgebiete hineingetragen und verteilt wird. Dies bewirkt vor allem nachts eine Abkühlung. Es gilt deshalb Kaltluftentstehungs­gebiete zu schützen und natürliche und bauliche Barrieren quer zur Fliessrichtung zu verhindern. Weiterlesen

Städte und Gemeinden können dem Hitzeinsel-Effekt entgegenwirken, indem sie die öffentlichen und privaten Frei- und Grünräume in einem stadtklimatischen «Entlastungssystem» vernetzen. Mancherorts werden auch öffentlich zugängliche Innenräume wie Schulhäuser oder Bibliotheken in ein solches System integriert. Weiterlesen

Private Aussenräume haben einen wesentlichen Anteil an der Gesamtfläche im Siedlungsgebiet. Sie können einen wirksamen Beitrag zu einer klimaangepassten Innenentwicklung leisten. Dazu sollten sie jedoch begrünt und soweit möglich mit durchlässigen Oberflächen ausgestaltet sein. Hier können Städte und Gemeinden in erster Linie Überzeugungsarbeit leisten. Hilfreich ist dabei, wenn ein entsprechender «Auftrag» in einem planerischen Instrument verankert ist. Weiterlesen

Begrünte Dächer oder Fassaden können einen wesentlichen Beitrag an eine klimaangepasste Innenentwicklung leisten. Sie vergrössern die Vegetationsfläche im Siedlungsgebiet und leisten bei sachgemässer Ausführung einen substantiellen Beitrag zur Kühlung des Klimas sowie Schutz vor Starkniederschlägen. Gleichzeitig tragen begrünte Dächer und Fassaden auch zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität bei. Weiterlesen

Die Bepflanzung und insbesondere die Stadtbäume sind auf genügend Raum im Untergrund angewiesen, damit sie gedeihen können. Städte und Gemeinden sollten sich deshalb vermehrt mit dem Untergrund beschäftigen und dabei die Erfordernisse einer klimaangepasste Innenentwicklung einbeziehen. Weiterlesen

Zudem kann die klimaangepasste Innenentwicklung in Zukunft vermehrt in die bestehenden planerischen Instrumente integriert werden. Für folgende Instrumente lassen sich bereits Beispiele für die Verankerung der Klimaanpassung finden:

Unterstützend bei der Umsetzung der klimaangepassten Innenentwicklung sind auch:

Alle Erkenntnisse zur klimaangepassten Innenentwicklung, welche die RZU zusammen mit Fachpersonen aus dem Mitgliederkreis erarbeitet hat, sind in folgenden Produkten zu finden:

Die Publikation und die Datenbank richten sich in erster Linie an die Politik und Verwaltung im RZU-Mitglieder­kreis. Denn es ist wichtig, dass die räumliche Planung sich mit der Klimaanpassung auseinandersetzt und die bestehenden Handlungsmöglichkeiten und Chancen nutzt. Davon profitieren werden die aktuell mehr als eine Million Einwohner*innen und die etwa 860'000 Beschäftigten, die im RZU-Gebiet leben und arbeiten.