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16. Dezember 2021 | Schaufenster Regionen, Städte und Gemeinden im RZU-Gebiet

Strategie Mobilität und Stadträume 2050 – Zürich denkt gemeinsam mit den Nachbarn über die Verkehrspolitik von morgen nach

Der Verkehr kümmert sich nicht um Grenzen, seien diese kommunal, regional oder national. Diese simple Ein­sicht wird bei der Entwicklung von verkehrspolitischen Positionen und Strategien häufig nicht beachtet. Einen bemerkenswert anderen Weg geht nun die Stadt Zürich bei der Formulierung ihrer Strategie Mobilität und Stadträume 2050.

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Grafik: © Urban Catalyst

Der Ausgangspunkt für die Erarbeitung der Strategie ist neben der gemeinsamen Betrachtung von Stadt­raum, Mobilität und Verkehr der folgende: Tagtäglich bestätigt sich in Zürich aufs Neue, dass die Stadt weder funktional noch verkehrlich eine Insel ist. Im zusammengewach­senen Zürcher Kernraum sind die Menschen grenzüberschreitend mobil, etwa um zu arbeiten, um einzukaufen, um sich zu erholen oder um kulturelle Anlässe zu besuchen. Für die Stadt Zürich bedeutet dies, dass im Stadtraum unterschiedlichste Bedürfnisse, Vorstellungen und Nutzungen aufeinandertreffen – und dabei oft auch in Konflikt miteinander geraten. Der aktuelle Strategieprozess für eine zukunftsfähige städtische Stadtraum- und Verkehrsplanung macht deshalb in doppeltem Sinne nicht an den Stadtgrenzen Halt:

  • Einerseits thematisiert der Prozess die funktionalen Verknüpfungen von Zürich mit den umlie­genden Städten und Gemeinden. Damit wagt das federführende städtische Tiefbauamt explizit den Blick über die Ränder der Stadt Zürich hinaus. Denn die Prozessverantwortlichen wissen, dass die zukünf­tigen verkehrspolitischen Setzungen und Massnahmen der Stadt Zürich auch die Entwicklungen und Realitäten in den unmittelbar angrenzenden Gemeinden und Regionen mitberücksichtigen müssen. Nur so werden sie im zukünftigen Alltag funktionieren können.
  • Andererseits hat das städtische Tiefbauamt eine «Behördenbegleitung Weiterentwicklung Stra­tegie Mobilität und Stadträume» eingerichtet. Dieses Gremium bindet auch Vertreter*in­nen aus mehreren Gemeinden und Regionen des Stadtzürcher Umlands sowie aus der RZU in die Stra­tegieentwicklung ein. Ebenfalls vertreten sind der Kanton Zürich und der Bund.

Die erste Sitzung der Behördenbegleitung vom 5. Oktober 2021 hat bereits deutlich gemacht, wie unver­zicht­bar ein solcher «Austausch auf Augenhöhe» unter Nachbarn ist. Gemeinsam haben die Teilnehmen­den über mögli­che Visionen, Leitsätze und Ziele diskutiert. Der Fokus auf den gesamten Zürcher Kern­raum trug wesentlich dazu bei, dass entscheidende Themen und Herausforderungen herausgearbeitet und Konfliktfelder benannt werden konnten. Drei Beispiele sollen zur Illustration dienen:

  • Erstens wurde in der Diskussion die Überzeugung, dass das Planen in funktionalen Räumen gestärkt werden muss, im Grundsatz breit geteilt. Doch was bedeutet dies für den Verkehr im funktional zu­sammen­hängenden Raum, der durch die Stadt Zürich und die umliegenden Städ­te, Gemeinden und Regionen gebildet wird? In diesem Raum besteht heute ja eine «verkehrs­politische Systemgrenze» zwischen der Stadt, die auf den öffentlichen Verkehr ausgerichtet ist und dem Umland, in welchem der motorisierte Individualverkehr (MIV) eine grössere Bedeu­tung aufweist. Wo und wie erfolgt in einem solchen System der Wechsel von einem Verkehrs­träger zum anderen? In der Begleitgruppe haben die Vertreter*innen der Städte und Gemein­den, die an Zürich angrenzen, deutlich gemacht, dass sie nicht einfach Umsteigepunkte sein wollen.
  • Zweitens befinden sich heute immer mehr Gewerbebetriebe und Dienstleister ausserhalb der Stadt – unter anderem wegen fehlender Gewerbeflächen und dem hohen Preisniveau in der Stadt. Diese Betriebe tragen zur Versorgung der Stadt Zürich bei, sind dabei aber auf den MIV angewiesen und leiden unter den häufigen Stausituationen.
  • Drittens hat die Diskussion verdeutlicht, dass sich die «Pendelrichtungen» beim Freizeitverkehr, der heute bereits deutlich über 50 Prozent des gesamten Verkehrsvolumens ausmacht, umdre­hen. An den Wochenenden verursacht dies erhebliche Belastungen in den Nachbargemeinden und -regionen der Stadt.

Der laufende Strategieprozess zu Stadträumen und Mobilität bietet also die Gelegenheit, solche Konflikt­felder offen anzusprechen. Grundsätzlich ist er eine einmalige Chance für die Stadt Zürich und die angren­zenden Städte und Gemeinden, um gemeinsam über die Entwicklung von Mobilität und Stadträumen im Zürcher Kern­raum nachzudenken. Vielleicht entstehen dabei auch zukunftsfähige Lösungsansätze, die qualitätsvolle Stadt­räume und eine hohe Lebens- und Wohnqualität mit einer möglichst hohen Mobilität der Bevölkerung und einer möglichst geringen Verkehrsbelastung kombinieren können.

Ein Hinweis der Geschäftsstelle RZU: