zurück

16. September 2021 | Klimaanpassung

Veranstaltung zur klimaangepassten Innen­entwicklung vom 09.09.2021 – ein kurzer Rückblick

Der Klimawandel ist bereits in vollem Gange. Gute Planung setzt deshalb bereits heute Massnahmen für die Klimaanpassung um. Im Mai 2021 stellte die RZU eine Publikation und eine Datenbank mit vielen Praxis­beispielen zur Klimaanpassung vor. Diese Produkte hatte die RZU zusammen mit INFRAS unter Beteiligung von Fachpersonen aus dem Mitgliederkreis im Netzwerk Klimaanpassung und Innen­ent­wicklung erarbeitet. Coronabedingt fand die physische Vorstellung dieser Produkte erst am vergangenen 9. September an einem Informations- und Netzwerkanlass für RZU-Mitglieder mit etwa 30 Teilnehmenden statt. Der Foliensatz zur Veranstaltung kann hier heruntergeladen werden.

Referat von Stefano Kunz am 09.09.2021

Referat von Stefano Kunz, Stadtrat von Schlieren

Foto: © Yves Périllard, RZU

Podiumsdiskussion am 09.09.2021

Podiumsdiskussion

Foto: © Yves Périllard, RZU

An der Veranstaltung stellten drei Politik- und Planungsverantwortliche konkrete Beispiele aus der Praxis vor – Beispiele, die bereits umgesetzt sind und einen Beitrag zur Klimaanpassung leisten:

  • Stefano Kunz, Stadtrat von Schlieren, zeigte auf, wie man mit einem Eintrag im kommu­nalen Richtplan den «Auftrag» und die Legitimation gewinnt, um die Klimaanpassung bei kommu­nalen Projekten einbringen zu können. Anhand von konkreten Beispielen führte er aus, was es alles braucht, um die Klimaanpassung effektiv umsetzen zu können: planen – umsetzen – verhandeln – ausprobieren – kämpfen – heilen (vgl. Folien 12–43)
  • Sarah Marthaler, ehem. Sekretariat Naturnetz Pfannenstil (NNP), stellte verschiedene Projekte des «Naturnetzes» vor, die zur Klimaanpassung im Siedlungsraum beitragen. Beispiele sind etwa die Aufwertung eines grosse Aussenraums einer Genossenschaft in Männedorf oder die Revitalisierung der ARA in Zumikon. Die Erfahrungen aus dem NNP zeigen, dass es bei The­men wie der Bio­diver­sität oder der Klimaanpassung wichtig ist, die Aufmerksamkeit und das Interesse von Bevölkerung und Eigentümer*innen zu wecken – wie etwa bei einem Abend­spaziergang zu einem Glühwürm­chen-Standort in Zumikon (vgl. Folien 44–72).
  • Reto Locher, Stiftung Natur und Wirtschaft, stellte in seinem Referat unter anderem den neu ge­stalteten Landschaftspark der Roche in Kaiseraugst vor. Der neue Park ist einer Auenland­schaft nachempfunden, die Parkwege stellen den Verlauf eines natürlichen Fliessgewässers dar. Nach Fertigstellung des Parks im Jahr 2018 wach­sen nun 80'000 Stauden sowie 1'200 Bäume und Sträucher. Der naturnahe Grünraum ist das Herzstück des Standorts in Kaiser­augst. Es verleiht dem Firmenareal seinen Charakter und wird von den Angestellten sehr ge­schätzt. Reto Locher wies darauf hin, dass sich viele Menschen auch ein natürlicheres Wohn­umfeld wünschten. Ge­mäss einer Umfrage der Stiftung wollen 70% der Befragten mehr Natur in ihrem Wohnum­feld. Sogar 90% sprachen sich für eine giftfreie Pflege aus. Demgegenüber erga­ben aber Erhe­bun­gen in verschie­denen Städten und Gemeinden, dass nur 3% der Bevölkerung auf einer natur­nah gestalteten Parzelle wohnen. Dementsprechend gibt es gemäss Reto Locher noch viel Ar­beit auf dem Weg zu grünen und klimaangepassten Wohnumgebungen (vgl. Folien 73–89).

Im Anschluss an die drei Referate fand eine Podiums- und Plenumsdiskussion statt. Am Podium nahmen Thomas Stoiber (AWEL, Kanton Zürich), Barbara Holzer (Grün Stadt Zürich) und Yves-Vincent Roth (Abt. Klima, Bundesamt für Umwelt) teil. Sie beteiligten sich als Vertreter*innen von Ämtern und Dienststellen, die das Netzwerkprojekt der RZU zur Klimaanpassung finanziell unterstützt haben. Die Podiums- und Plenums­diskussion zeigte auf, dass das Thema Klimaanpassung in jüngster Zeit enorm an Bedeutung für die Planung gewonnen hat. Wesentliche Handlungsfelder sind dabei die Hitzeminderung sowie der Um­gang mit Stark­niederschlägen und Trockenheit. In der Diskussion wurde es begrüsst, dass das Netzwerk­projekt der RZU die notwendige Diskussion über die Klimaanpassung im urbanen Raum unterstützt hat. Es habe auch die Vernetzung von Fachpersonen aus den Bereichen Klima und Raumplanung gefördert. Dies ist wichtig, weil die Integration der Klimaanpassung in die planerischen Instrumente und Abläufe sowie in die Planung und Umsetzung von konkreten Projekten anspruchsvoll ist. Die Planung sollte dabei nicht nur die Dringlichkeit der Klimaanpassung, sondern auch die bestehenden Synergien und Chancen aufzeigen und nutzen. So steigern viele Klimaanpassungsmassnahmen wie etwa das Pflanzen von Bäu­men oder die Begrünung von öffentlichen Räumen zugleich die Lebensqualität, die Biodiversität und die ästhetisch-städtebaulichen Qualitäten im überbauten Raum. Dies zeigen auch viele der Praxisbeispiele in der Datenbank der RZU zur Klimaanpassung.