Lucius Burckhardt (1925–2003), Soziologe, Ökonom und Kunsthistoriker, und seine Frau, die Künstlerin und Mitdenkerin Annemarie Burckhardt (1930–2012), prägten seit den 1950er Jahren die Architektur- und Landschaftsplanung. Als Begründer*innen der Spaziergangswissenschaft – auch Promenadologie genannt – stellten sie die Wahrnehmung der Umwelt in den Mittelpunkt ihrer Forschung. Ihre Arbeit forderte eine kritische Auseinandersetzung mit der Gestaltung von Landschaften inner- und ausserhalb von Siedlungen. Ein frühes Beispiel ihres Engagements war die erfolgreiche Verhinderung einer geplanten Durchfahrtsstrasse quer durch Basel, die sie mit kreativen Mitteln und öffentlicher Sensibilisierung bekämpften.
Ihre Arbeit war geprägt von Ironie, Kreativität und einem tiefen Verständnis für die gesellschaftlichen Auswirkungen von Gestaltung. Lucius Burckhardt lehrte an der ETH Zürich und der Universität Kassel, wo er Generationen von Studierenden inspirierte, Planung als sozialen und kulturellen Prozess zu verstehen. Annemarie Burckhardt, die keinen Lehrstuhl besetzte, wirkte im Hintergrund und wurde nach der Rückkehr nach Basel 1996 Grossrätin der Stadt Basel, wo sie sich für die Sozialplanung und Stadtentwicklung einsetzte.
Die Burckhardts beeinflussten nicht nur die wissenschaftliche Debatte. Ihre Ansätze flossen auch in die Praxis der Landschaftsplanung ein: Die Landschaft muss erlebt, «gelesen» und verstanden werden. Dies ist eine zentrale Grundlage für die Planung in konkreten Räumen. Zum Beispiel an Spaziergängen mit Vertreter*innen von Bevölkerung und Interessengruppen. Denn nur gemeinsam erkennt man die bestehenden Qualitäten und die landschaftlichen Potenziale für die zukünftige Entwicklung. Diese Perspektive fliesst auch in die Bearbeitung des aktuellen 2050-Schwerpunkts «die Landschaft grossmassstäblich entwickeln» ein.